Über Rollenklischees und Widersprüche: Spiegel Kolumne über „Wut-Mütter“

Heute: Eine Kolumne im Spiegel über Werbung, die fragwürdige und überflüssige Rollenklischees manifestiert, und über organisierte Mütter und andere Menschen, die dagegen vorgehen.

S.P.O.N. Silke Burmester – „Wut-Mütter wehrt euch“

Was ich mich nach der Lektüre der Kolumne und vor allem der Kommentare frage:

Warum werden Mütter, die gegen etwas vorgehen, das ihre Kinder negativ beeinflusst, als „Wut-Mütter“ bezeichnet ?

Warum spricht sich ein großer Teil der Kommentatoren im Spiegel-Forum FÜR diese Art von Rollenklischees aus – damit ist sowohl der Magermodell-Trend als auch die pinke „sexualisierte Feen-Prinzessinnen-Variante“ gemeint ?

Hmm?

Was mir dabei auffällt: Ist es nicht komisch, dass in vielen der Kommentare die Problematik, um die es hier geht, als gestörte Beziehung zur Weiblichkeit abgetan wird ? Also hieße das ja, Frauen, die den propagierten Rollenklischees entsprechen (möchten) oder nichts Schlimmes dabei finden, die haben dann eine gesunde Beziehung zu ihrer Weiblichkeit ?

Interessant ist auch, dass in Deutschland die (Wunsch)Kaiserschnitt-Rate rapide ansteigt.
Auch das sagt etwas über das vorherrschende Bild von Weiblichkeit aus.

!Ich rede hier nicht von medizinisch notwendigen Kaiserschnitten, die für Gesundheit und Leben von Mutter und Kind nötig sind, sondern von geplanten, medizinisch unnötigen Wunschkaiserschnitten!

Die gleiche Frau, die einem Schlankheitswahn verfallen ist und übermäßiges Augenmerk auf ihr Aussehen richtet, gleichzeitig aber ihr Kind per Wunschkaiserschnitt zur Welt bringt und einen natürlichen Geburtsverlauf ablehnt, die hat dann eine gesunde Beziehung zu ihrem Geschlecht?

Und dann wäre da noch die allgemein verbreitete Einstellung zum Stillen, einem überaus natürlich weiblichen Vorgang.
Da sind 3 Monate ok, nach 8 Monaten wird es langsam kritisch und nach 1,5 Jahren ist das Unverständnis oft so groß, dass noch nicht mal mehr dumme Kommentare dazu kommen.

Ich finde das irgendwie komisch.

Nochmal zurück zu der Werbung, den Rollenklischees und dem  Anliegen der protestierenden Mütter. Es geht sicher vor allem darum, das Augenmerk darauf zu richten, wie Kinder die Bilder, die ihnen täglich vor Augen geführt werden, wahrnehmen. Fast alle Mädchen haben die rosa Prinzessinnenphase, die soll ihnen auch niemand wegnehmen, aber dass die Prinzessin plötzlich mit extremen weiblichen Kurven und knappen Höschen daherkommt, das kann (nicht nur) auf Kinder schon etwas irritierend wirken.

Und ist jemanden aufgefallen, wie sehr sich die für Kinder angebotene Mode in den letzten Jahren verändert hat ? In den Kinderabteilungen der verbreiteten Modeketten findet sich für Mädchen fast ausschliesslich unpraktisches, oft unbequemes und wenig kindgerechtes Zeug. Jungs haben es da etwas besser, müssen dafür aber oft martialische Motive vor sich hertragen. Auf der anderen Seite haben viele kaum eine Chance, natürliche männliche Aggression zu erproben und damit umzugehen zu lernen. Widersprüche überall.

So, genug jetzt dazu.

Dafür, dass man Jungen und Mädchen Kinder sein lässt, die alles ausprobieren können.

Und dafür, dass Kinder keine Zielgruppe für Werbung mehr sein dürfen.

Ausserdem dafür, den Stellenwert von Äußerlichkeiten nicht überzubewerten.

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