Gentech- und Agrarkonzerne locken mit verklärter Bauernhofromantik

Ein Projekt zur Förderung nachhaltiger Landwirtschaft ?

Derzeit tourt ein Projekt durch deutsche Städte, um „über die vielfältigen Leistungen der Landwirtschaft von heute zu informieren“:  Erlebnis Bauernhof: mobil, initiiert von einer Gemeinschaft zur Förderung nachhaltiger Landwirtschaft, der FNL. Das klingt zuerst einmal ganz gut, denn Nachhaltigkeit in der Landwirtschaft ist ein überaus wichtiges Thema, das in seinen Auswirkungen letztendlich alle Menschen betrifft.

Widerstand regt sich

Das Projekt trifft aber derzeit in Köln, der nächsten Station, auf einigen Widerstand. Engagierte Menschen haben sich zu Keine-Gentechnik-Lobby-Veranstaltung in Köln zusammengeschlossen, um zu zeigen, wer wirklich hinter der trügerischen Bauernhof-Idylle steht, die mit Streichelkälbchen, Getreidemahl-Aktion und süßen Lämmchen den Verbrauchern darüber informieren möchte, wie der Alltag auf dem Bauernhof denn so aussieht.

Zeit, einmal nachzufragen, wer und was sich denn nun hinter der FNL verbirgt.

Wer will hier eigentlich die Landwirtschaft nachhaltiger machen?

Die Vereinigung FNL besteht aus vielen Verbänden, die letztlich alle daran interessiert sind, dass ihre Produkte verkauft werden. Daran ist grundsätzliches ja nichts Schlimmes zu finden, denn jeder muss schliesslich etwas für seinen Lebensunterhalt tun.
Jetzt wird es aber interessant – denn einige der prominentesten Mitglieder der ‚Fördergemeinschaft für nachhaltige Landwirtschaft‘ sind die Saatgut-, Gift- und Gen-Konzerne, die von den Methoden der konventionelle Landwirtschaft profitieren. Darunter befinden sich auch Konzerne, die  in der Vergangenheit im In- und Ausland durch Menschenrechtsverletzungen und Umweltzerstörung aufgefallen sind.

Sieht so ökologische Nachhaltigkeit aus ?

Zur FNL gehören unter anderem folgende Konzerne:
Der Chemieriese BASF SE Animal nutrition – Hersteller von Futtermittelzusatzstoffen und anderen Substanzen zur Leistungs- und Produktivitätsteigerung.

In der Praxis geht es darum, Turbo-Tiere mit größtmöglicher Ertragsfähigkeit zu erhalten.

Bayer CropScience – DER Hersteller von Ackergiften. Diese können Menschen und Tiere schädigen. Unter anderem war ein Pestizid des Konzerns  für das Bienensterben verantwortlich. mehr dazu

Monsanto Agrar – Hersteller von Nahrungs- und Futtermitteln, Saatgut und Chemieprodukten.

Kritische Stimmen werfen Monsanto vor, mit gentechnisch verändertem Saatgut und Giften nach einer Art Nahrungs-Weltherrschaft zu streben.

Wirtschaftliche Vereinigung Zucker e.V. – Zucker mögen fast alle, aber die heutige Überzuckerung von Lebensmitteln ist mit verantwortlich für viele Erkrankungen.
Nun, ja, davon profitieren ja wiederum die Pharmahersteller..

Alle diese Konzerne haben zumindest eine Verbindung zum Thema Nachhaltigkeit gemeinsam, sie arbeiten hart für ihren nachhaltigen Profit.
Und wie stehen die Förderer der nachhaltigen Landwirtschaft zu einem der kritischsten Themen der konventionellen Landwirtschaft, der Tiermast ?

Dass die heutige Massentierhaltung eine üble Sache ist, das steht fest. Nebenbei ist sie auch ein Energiefresser, und darum wird von vielen Seiten immer häufiger der Verzicht auf Fleisch bzw. ein geringerer Konsum propagiert.
Was sagen nun die Fachleute von der FNL dazu?

Das ist interessant:

FNL zur Verantwortungsvollen Nutztierhaltung:

Durch die negative und häufig verzerrte Berichterstattung in den Medien sind viele Verbraucher verunsichert, ob die landwirtschaftliche Tierhaltung wirklich verantwortungsvoll ist. Schlagworte wie „Massentierhaltung“ beherrschen die Diskussion und trüben den Blick für die Realität in den Ställen.

(hierzu empfehle ich eine youtube-Suche nach dem Stichwort „Massentierhaltung“)

FNL zum Thema Fleischverzehr:

„Eine ausgewogene Ernährung ohne Fleisch ist schwierig, der
vollständige Verzicht auf tierische Lebensmittel sogar problematisch.

(über die Vorzüge und gesundheitlichen Vorteile einer vegetarischen Ernährung braucht hier wohl nichts  gesagt zu werden)

FNL zur Schlachtung:

„geschulte Kräfte transportieren die Tiere von den
Landwirtschaftsbetrieben zu den Schlachthöfen, wo sie mit
einem hohen Maß an Sachkunde, Professionalität und der
notwendigen Sensibilität geschlachtet und zerlegt werden. Es
folgt die Verarbeitungsstufe.“

Die Fördergemeinschaft für nachhaltige Landwirtschaft sagt also zum Thema Fleisch und Tiermast grundsätzlich „Alles in Ordnung“, und empfiehlt den regelmäßigen, bedenkenlosen Fleischkonsum. Genauso wie sie den Einsatz von Pestiziden und Gentechnik propagiert. Sollte ich hier der FNL Unrecht tun, bitte ich um Benachrichtigung, um dies richtig stellen zu können.

Und ein Erlebnisbauernhof mit Jungtieren, Spiel & Spaß soll also nun diese Botschaft zum Verbraucher bringen. Damit der mit gutem Gewissen in seinen XXL-Burger hineinbeissen kann.

Zum Glück hat der Protest schon Erfolge gebracht, so sind einige Partner der Aktion ErlebnisBauernhof schon ausgestiegen. Wer den Protest unterstützen will, kann sich hier informieren.

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